Kürbispie

Nachdem wir ja alle schön Halloween übernommen haben und mächtig viel Spaß hatten beim Verkleiden und Feiern letzte Woche, ist Jule noch einen Schritt weitergegangen und hat dem Festtagsreigen ‚Thanksgiving‘ hinzugefügt. Vor allem, weil sie ihrem allerbesten Ehemann einen Herzenswunsch erfüllen wollte, nämlich den nach einem Truthahn. Wir pilgern also heute abend zum Next-Generation-Familienfest und ich habe die extrem geduldigen Schwestern und Schwäger meines allerbesten Lieblingsfreundes mal wieder als Testesser für meine Kochexperiemente ausgewählt. Den im Sommer haben sie schon alle tapfer die Aperoltorte gelobt, die ja eigentlich total in die Hose gegangen war…

Thanksgiving ist ja so ein typisch amerikanischer (und kanadischer) Feiertag mit einer Mischung aus Kommerz, Familiendrama und ‚Geschichte‘ (also alles, was älter als fünfzig Jahre ist, was zum Beispiel die Italiener nur zu einem herablassenden Grinsen animieren dürfte, denn in Rom wurde gerade  beim Bau der neuen U-Bahnlinie C eine römische Kaserne entdeckt, die ’nur‘ hundert Jahre genutzt wurde, wie einer der zuständigen Archäologen etwas herablassend bemerkte). All dem wollen wir natürlich auch heute frönen und ich bin gespannt, wie der Truthahn wird. Denn, wie wir ja alle wissen, haben damals noch die Pilgerväter zusammen mit den Ur-Amerikanern gefeiert und vor allem von deren Gastfreundschaft profitiert (ich frage mich gerade, ob man politisch korrekt überhaupt noch Indianer sagt oder ob man richtigerweise versucht, den Stamm zu identifizieren, aber da die ganze Geschichte historisch nicht belegt werden kann, bleiben wir vielleicht bei den ursprünglichen Einwohnern von Amerika, also in diesem Falle bei den Ur-Texanern). Die … Ur-Texaner ärgern sich bestimmt heute schwarz, dass sie damals keine besseren Konditionen für das Durchfüttern der Pilgerväter ausgehandelt haben… Aber zurück zu den kulinarischen Aspekten.

Ich gebe ja zu, dass ich mich in den letzten Tagen zum ersten Mal überhaupt ernsthaft mit den Traditionen eines Thanksgivingessens beschäftigt habe. Eine grobe Vorstellung hatte ich aus einigen amerikanischen Familienfilmen, die mir den Eindruck vermittelt haben, dass die Zubereitung des Vogels meistens ein Tragödie wird, (auch wenn es kein amerikanischer Film war, habe ich da noch Bridget Jones und das blaue Seil um den Braten vor Augen), es sei denn, Mutti nimmt das in ihre allwissenden Hände. Das hat in unserem Fall Jule gemacht. Außerdem scheint es noch eine quasi-religiöse Bewegung zum Thema ‚Füllung‘ zu geben, die anscheinend auch getrennt vom Vogel zubereitet werden kann (Skandal!) und eine Cranberrysauce (mmhh!) und – mein Lieblingsgang – Süßkartoffelauflauf, in manchen Rezepten auch gerne mal mit Marshmallows zubereitet (Hilfe!). Bin gespannt, was wir heute abend haben werden.

Ich habe auf jeden Fall mal das traditionelle Dessert übernommen, nämlich Kürbispie mit Sahne. Wer mag, kann die Butter, die Kondensmilch und die Sahne durch Sojadings ersetzen und – zack! – ist das ganze Ding auch vegan. Besonders toll am Kürbispie sind die ganzen Gewürze – auch die könnt ihr jetzt schon mal für die Weihnachtsbäckerei anschaffen. Eine gute Gelegenheit übrigens, mal wieder den Gewürzschrank zu inspizieren und das ganze alte Zeug wegzuwerfen, den Rest zu katalogisieren und nebenbei high zu werden von den ganzen natürlichen Substanzen… so wie ich gestern. Merkt man das an meinem Intro?

500 g Kürbisfleisch (Kauft einen Kürbis, der groß genug ist. Aus dem Rest könntet ihr ja noch eine Kürbissuppe oder einen Kürbisgratin oder Kürbislasagne oder Kürbis mit Zimtkruste. Yeees!)
2 Eier
400 Milliliter Kondensmilch
250 g Schlagsahne
150 g Butter
Nelken (gemahlen)
Muskat (gemahlen)
Ingwer (getrocknet/gemahlen oder frischen geriebenen)
Piment (gemahlen)
Zimt (gemahlen)
150 g Zucker
250 g Mehl
Salz
50 Milliliter Wasser

 

Aus der Butter, dem Mehl, dem Wasser und etwas Salz macht ihr einen Mürbeiteig, der sich  dann noch eine halbe Stunde im Kühlschrank ausruhen darf.

Den Kürbis hackt ihr derweil in kleine Stücke, ohne Kerne und Innenleben und eventuell ohne Schale und kocht ihn mit etwas Wasser und Zucker zu Mus. Ich habe dafür die Mikrowelle benutzt, das hat ganz gut geklappt, und ich hatte Zeit, mich um den Rest zu kümmern. Ab und zu umrühren und prüfen, wie weich der Kürbis schon ist, und gönnt euch mehrere Kochphasen, damit euch der Kürbis nicht explodiert, bloß weil ihr in eurer Euphorie die Mikrowelle ’ne Stunde auf volle Power gestellt habt. Gebt dem Kürbis auch ’ne Chance ein bißchen abzukühlen, bevor er weitermuss.

Den Zucker mit den Gewürzen mischen und dabei den Mengen für die Gewürze nicht geizig sein. Die Eier aufschlagen, den Zucker dazu, dann den Kürbis und zum Schluss die Kondensmilch.

Weckt den Mürbeteig auf und rollt ihn in einer Pieform aus, natürlich auch die Wände hoch, und zwar so hoch wie möglich, denn die Füllung ist ziemlich flüssig und tendiert dazu, sehr eindruckvoll überzuschwappen und den ganzen Ofen inklusive der Spalte zwischen Tür und Garraum einzusauen, wenn ihr den Pie schwungvoll in den Ofen schiebt. Und dann macht ihr alles bei 200 Grad sauber, damit das ganze nicht einbrennt. Also schööön den Teig hochziehen. Echt jetzt. Und voorsichtig den Pie in den Ofen schweben lassen.

Bei 200 Grad C für 15 Minuten und dann für 45 Minuten bei 175 Grad C backen.

Abkühlen lassen. Sahne schlagen.

Dann zum Essen demonstrativ auf dem Tisch platzieren, damit alle wissen, dass es noch ein Dessert gibt und sich nicht schon beim Truthahn verausgaben!

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