Café Sahneweiß

Wie ihr spätestens seit meinem Blog in der Kategorie ‚Demnächst mal hin‘  wisst, residiert seit einiger Zeit das Sahneweiß in den Räumen des Cafè Rittershaus. Inzwischen waren wir zweimal da, einmal nur kurz auf einen Kaffee und gestern auf einen Happen zum Mittagessen, nachdem wir in der Bauhausausstellung waren. Wer mir auf Twitter (@kochenzweinull7) folgt, weiß, dass wir uns gestern eigentlich nur unter verschiedenen Vorwänden durch die Gegend gefressen haben…

imageAtmosphäre – Das beste am Café Sahneweiß ist der Wintergarten. Man sitzt hell und doch geschützt vor Lärm und Wetter an wuchtigen hellen Tischen, die mit Blumen, Kerzen und dem Tagesangebot dekoriert sind. Sehr Cupcake-Laden-mäßig, aber ich mag’s gerne. Der Rest erinnert mich an das Rittershaus mit ein paar Stehlampen mit Blütenkelchlampenschirm und den weißen Metallstühlen und der Messing-Kuchentheke. Clemens Wilmenrod wäre entzückt. Auch von den Aus- und Einparkversuchen der Damen in teuren Limousinen unter der nachsichtigen Aufsicht von vorbeigehenden hilfsbereiten Herren, die eine Notsituation einer Dame erkennen. Wer live dabei sein will, sitzt vor dem Wintergarten an kleinen Tischen an der Kaiserstraße oder an der Hans-Iwand-Straße und genießt den Gesamteindruck.

Der Charme ist aber auch gleichzeitig das größte Problem. Da ich natürlich immer nur zu den typischen Berufstätigen-Freizeiten Restaurants und Cafés unsicher machen kann, ist es immer knackevoll und eng, wenn ich das Sahneweiß betrete. Beide Male saßen wir irgendwo in eine Ecke gequetscht, Rücken an Rücken mit anderen Gästen oder halb an der Ecke von einem überbesetzten Tisch mit einem Tischbein zwischen den eigenen und verdrehter Wirbelsäule. Ich werde langsam zu alt für solche Stunts. Wahrscheinlich kann ich demnächst nur noch zu Starbucks gehen und dort ganze Sofas für einen Mittagsschlaf beanspruchen. Das sollte ich im Sahneweiß nicht versuchen (Na ja, bei Starbucks auch nicht).

Kuchentheke

Wahrscheinlich werde ich auch immer nörgliger, was einen lahmen und amateurhaften Service angeht. Vielleicht arbeiten samstags auch immer dieselben vom Ansturm der Massen überforderten Mädels, die sich dann durch die engen Zwischenräume lehnen und schieben müssen und die bei einer Bar und Küche, die nicht nachkommt, die Bestellungen dann auch mit der Zeit nicht mehr im Griff und im Kopf haben. Tatsächlich ist die Pikiertheit, mit der vergessene Bestellungen zum zweiten Mal auf- oder Preisunterschiede zwischen Tischaufstellern und Rechnung zur Kenntnis werden oder einfach die Dauer, mit der Essen und Rechnung kommen, das größte Hindernis zwischen einer dauerhaften Zuneigung zwischen mir und dem Sahneweiß.

Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen ‚rangegangen – wahrscheinlich auf die Vintage-Retro-Homemade-Cupcake-Do-what-you-love-Attitude reingefallen, während das Café eigentlich von der Größe her einer professionellen Organisation und Wirtschaftlichkeit bedarf, die es vielleicht an Wochentagen gibt.

Was gibt’s zu essen? – Eine Kuchentheke, die nicht übervoll ist, aber schon für mich die Kuchenwahl zur Qual macht, hält schön abgewandelte Klassiker von Torten, Tartes und Törtchen bereit. Dazu gibt es alle Arten von Tee und Kaffee, die der moderne Cafébesucher erwarten kann und noch einiges mehr: eine Riesenpalette voller Hipstergetränke zwingt einen quasi, alles durchzuprobieren und später laden Apéros ein zum langsamen Überleiten in die blaue Stunde ein. Wenn es kalt ist (oder auch nur ein bißchen schäbig wie jetzt), gibt es interessante Tees und Schokoladensorten, die anmuten, als wären sie in des Sahneweiß‘ eigenem Maggi-Kochstudio entworfen und ausprobiert worden.

Quiche mit Birne und Ziegenkäse im SahneweißGanztags gibt es eine Karte kleiner Gerichte mit vegetarischem Schwerpunkt. Wäre mir gar nicht aufgefallen, denn dankenswerterweise steht nicht bei jedem Gericht dran, dass es vegetarisch, vegan, laktose- oder glutenfrei ist, aber gestern haben wir nur zwei Gerichte gefunden, bei denen wahrscheinlich Fleisch im Spiel ist (Penne Bolognese und irgendein Frühstück), aber dafür hat man ja eine hellwache, messerscharf denkende Begleitung dabei. Aber zurück zur Karte: Ein Pluspunkt, finde ich, dass hier jemand sehr selbstverständlich soviel Vegetarisches anbietet.

 

Und das ist auch ganz lustig angerichtet: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist an Gemüse, wird durch den von Attila Hildmann an jeder Stelle gepriesenen Gefu-Spiralschneider gejagt  (Ich muss immer grinsen, wenn ich spiraliges Gemüse sehe, weil schon wieder einer drauf reingefallen ist und jetzt Zucchinispaghetti als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit der ‚Vegan for‘-Sekte serviert). Aber noch viel cooler – und da sind wir wieder bei Retro-Vintage und so – ist die Dekoration des Salats mit einer Salzstange. Im Moment, als ich die Salzstange esse (ich kann sie gerade noch so meiner Begleitung entreissen, die neben Gurken und Tomaten alles abräumt, was ich nicht mit Messer und Gabel verteidige), denke ich an die Parties meiner Eltern in den Siebzigern, in denen ich noch eben alle in meinem Äffchenschlafanzug allen Gute Nacht sagen durfte, bis die Party richtig losging und ich ins Bett marschierte – zwei kleine Fäuse voll Salzstangen hinterm Rücken versteckt. Hat nie einer gemerkt – ich schwöre.

Strammer Max im SahneweißAnsonsten gibt es noch eine Frühstückskarte, die ich aber immer noch nicht rauf- und runteressen konnte, weil ich mich heute nach der Tour gestern ein bißchen kasteien wollte. Hätte Sonja vorgeschlagen, heute ins Sahneweiß zum Frühstück zu gehen, wäre ich wahrscheinlich schwach geworden. Schließlich hatten wir gestern beim – wie sagt man als Sportjournalist? – ‚Herzschlag-Viertelfinale‘ keine Zeit zum Quatschen und außerdem bin ich als der Nick Knatterton der Bonner Foodblogger ja quasi verpflichtet, mich durch die Frühstücke der Stadt zu probieren – umso mehr, als die Frühstückerei ja zugemacht hat und wir jetzt alle keine Heimat mehr haben. Ach ja. Frühstück gibt’s immer – ein weiterer Pluspunkt für Leute wie mich, die am Sonntag beim Bäcker immer nur noch die Reste abbekommen.

Also? – Wieder hin. Frühstück ausprobieren, sich durch die Kuchentheke und die selbstkreierten Heißgetränke arbeiten, im Wintergarten sitzen und der ganzen Nummer nochmal eine Chance geben. Wenn das Sahneweiß und ich dann immer noch keine Basis gefunden haben, hole ich mir halt wieder ein Crépe in der Unterführung auf dem Heimweg vom Shopping, frühstücke zuhause oder im Roses und besorge mir meinen Kuchen im Café Breuer in Oberkassel…. Und man könnte mal herausfinden, was das Café Sahneweiß und das Café Blau gemeinsam haben…

Hinterzimmer im SahneweißKreditkarten – Zahlen kann man in bar und nur in bar. Basta.

Wie kommt man hin? – Da das Sahneweiß ja ziemlich am Anfang der Kaiserstraße ist, kann man jeden Bus und jede Bahn zum Hauptbahnhof nehmen. Es gibt natürlich auch Parkplätze vor dem Haus, in der Hans-Iwand-Straße um die Ecke und im Parkhaus der Deutschen Bank oder Uni Markt, aber ihr müsst entweder selbst einparken können oder jemanden nett bitten, ob er euch hilft.

Café Sahneweiß
Kaiserstraße 1d
53113 Bonn

Telefon: +49 228 96 69 22 41

E-Mail: sahneweiß@gmx.de

Homepage gibt’s nicht, nur einen Auftritt in Facebook.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 20 Uhr
Montags geschlossen

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