Nisha

Endlich hat Nishanti Pereira, die schon das Buffet zu meinem 39einhalbsten Geburtstag geliefert hat und sonst auf dem Bonner Marktplatz steht, auch ein Restaurant aufgemacht. Eine sehr positive Entwicklung, finde ich, und unbedingt zu unterstützen – aus rein egoistischen Gründen.

Die Zeit verändert uns und wir uns in ihr.
Die Zeit verändert uns und wir uns in ihr. Aber sowas von.

Und an diesem Freitag waren wir da. Eigentlich aus den völlig falschen Gründen, denn ich wollte nach einer langen arbeitsreichen Woche meinem Lieblingslaster frönen (nämlich Burger und Pommes) und deshalb wollten wir ins Soho-Kitchen. Weil ich aber ja EIGENTLICH diesem Laster abgeschworen habe für die nächsten Wochen, hatte das Schicksal ein Einsehen: Das Soho-Kitchen hat längst zugemacht, stattdessen gibt es eine Tapasbar. Leider bin ich nicht der Tapastyp, sondern esse gerne ungesundes Zeug in großen Mengen und Essen teilen ist schon gar nicht mein Ding.

Deshalb standen wir nun mit dummem Gesicht im Kalten und wussten erst nicht so genau wohin mit uns. Dann geistesblitzte es uns, dass Nisha ja gleich um die Ecke ist, gegenüber dem Hintereingang des Juridicums, und wir trabten los. Dass Ganze war ein echter Nostalgietrip für mich, mit dem Juridicum, dem Kratz und Addi. Die kommen gleich (bis auf das Juridicum) gleich mal auf die ‚Demnächst mal hin‘- Liste.

Marianne? Nike? Dhanvantari?
Marianne? Nike? Dhanvantari?

Atmosphäre – Wer sich in der Gegend auskennt, weiß, dass in diesen heiligen Hallen früher Rietbrocks Weinhaus war (was übrigens nach meinem letzten Besuch dort nie wieder auf meine ‚Demnächst mal hin‘-Liste kommen wird!). Anscheinend sind aus dieser Zeit noch einzelne Elemente von den früheren Etablissements übrig geblieben. Andererseits scheinen warme Farben und Ruinen ähnliche Zwischenwände und Balken die asiatische Vorstellung von Gemütlichkeit zu sein. Ihr wisst, was ich meine, wenn ihr schon mal im Taste of India an der Reuterbrücke wart…

Der Laden selbst ist ziemlich groß, mit mehreren Räumen mit großen und kleinen Tischen, alle fertig gedeckt für die willkommenen Gäste. Es war ziemlich ruhig, weshalb man aus der Küche leise Musik und Geschirrgeklapper hören konnte. Ich freu mich immer, wenn ich irgendwie die Küche hören kann und war froh, mich nicht ans (ins) Fenster gesetzt zu haben.

Nisha hat Platz für alle.
Nisha hat Platz für alle.

Die Bedienung war nett und schnell und tauchte immer wie von Zauberhand auf, wenn wir noch etwas brauchten. Und, wenn ich mich recht erinnere, war ‚die Bedienung‘ Nishas Tochter, die noch eben aushalf, bevor es losging ins aufregende Bonner Nachtleben. Zwischendurch leistete uns der Fahrer von Foodora Gesellschaft, der an der Theke auf seine Lieferung wartete. Aha. Läuft also auch schon.

Als das Essen dann auf dem Tisch stand und die Stille in der Küche anzeigte, dass die Töpfe und Pfannen wieder gespült bereit standen für den nächsten Ansturm, kam Nisha auch zu uns (in Kochjacke, ganz ungewohnt und so professionell!), um zu sehen, ob’s uns schmeckt. Natürlich hat sie uns dann auch nochmal sehr ernsthaft das Konzept ihres Kochens erklärt und bestätigt, dass sie dieses Ayurveda, das gleich als erstes in der Speisekarte kurz erklärt wird, ernst meint. Ehrlich gesagt, hat mich die Ernsthaftigkeit und Selbstverständlichkeit ein ganz kleines bißchen aus der Ruhe gebracht, denn meine Vorlieben sind ja eher unausgewogen und wenn Essen so wie Medizin auf den Köper wirkt, sollte ich vielleicht doch mal… Hm.

Einig mit sich und dem Essen.Auf jeden Fall meint sie auch das mit dem Selbstkochen und Frischkochen todernst. Natürlich habe ich sie gefragt, wie sie das denn hinbekommt mit dem Restaurant, dem Marktstand morgens und den Lieferungen. Die einfache Antwort ist, dass sie alles selbst macht und sich auch noch um den Einkauf kümmert, denn – so sagte sie – die Leute merken, wenn sie nicht selbst in der Küche steht, und alle Versuche vorzukochen und den Stand von jemand anders übernehmen zu lassen, hätten umgehend dazu geführt, dass die Gäste wegbleiben. Also teilt sie sich auf zwischen dem Marktstand vormittags und dem Restaurant abend. Und im Sommer stellt sie noch Tische auf die Straße und fängt an, richtig Werbung zu machen. Puh.

Hühnchen mit Ananas und Kokos und ErdnüssenWas gibt’s zu essen? – Die Speisekarte macht mich fertig. Ich könnte alles da essen. Echt alles. Ich habe schon überschlagen, wie oft ich herkommen muss, um die Speisekarte auf elegante und effiziente Art und Weise einmal durchzuessen. Das wird dauern. Vielleicht ist das für Euch nichts besonderes, aber ich bin (trotz meines seltsamen Geschmacks) durchaus ein schwieriger Esser und manchmal finde ich einfach nichts auf der Speisekarte und muss mich entweder entschließen, woanders hin zu gehen oder den Küchenchef mit Sonderwünschen zu nerven.

An dem Abend war es besonders schlimm, aber eben anders herum: Ich wollte alles probieren, musste mich aber schnell entscheiden, weil es schon spät war nach der ganzen Herumlauferei und ich so einen HUNGER hatte. Also haben wir uns gar nicht erst mit den Vorspeisen aufgehalten (zum Beispiel Samosas, die kannte ich ja schon vom Marktstand als schnellen Snack), sondern gleich auf die Curries und Menus gestürzt.

Rotti
Rotti

Ich habe etwas besonders Leckeres gefunden: Hühnchen mit Ananas (in meinem Fall Mangos), Kokos und Erdnüssen. Mjam. Und statt Reis, den es mit und ohne Gemüse und als roten Reis gibt (den man unbedingt probieren muss!) bekam ich Rotti, kleine in der Pfanne gebackene Fladen. Soo lecker. Aber: Es war ganz schön scharf für einen Langweiler wie mich, der ja mehr auf Süßes steht.

Aber auch hier hat mich Nisha belehrt, dass bei ihnen (in ihrer Familie oder in Sri Lanka? Keine Ahnung.) ja alle auf dieses Bizzeln auf der Zunge stehen und dass deshalb eigentlich alles ein bißchen scharf ist (Ayurveda, ne: scharf, süß, bitter, salzig, sauer… und alles in einem Gericht). Und dass es deshalb eigentlich auch nie Nachtisch gibt. Ja, das ist mir in Asien auch aufgefallen, dass die Nachtische eigentlich recht selten und auch eher nicht mein Ding sind (da schokoladenlfrei. Und wenn ich denke, was ich alles noch nicht gegessen habe von der Speisekarte, muss ich auch nicht unbedingt auf dem Nachtisch herumreiten, wenn ich Kürbiscurry haben kann. Mjam.

Roter Reis mit Gemüse.
Roter Reis mit Gemüse.

Also? Tja, ihr werdet mich dort häufiger sehen. In dem Restaurant mit der unglaublich leckeren Speisekarte. Also im übertragenen Sinn. Mann. Ich bin fast fest entschlossen, mich besser zu ernähren und ich stehe einfach drauf, dass da irgendwo jemand in der Küche steht, der mit Liebe kocht und dabei sein Konzept durchzieht.

Das macht Nisha auf jeden Fall und ich hoffe echt, dass sie es schaffen wird, Öffnungszeiten zu finden für das Restaurant und den Wagen, ohne einen ayurvedischen Burnout zu produzieren. Dafür halte ich mich dann auch gern an die eingeschränkten Zeiten im Restaurant, denn im Notfall kann ich auch auch etwas auf dem Marktplatz bekommen. Und ihr könnt drauf wetten, dass ich mich auf die Eröffnung der Terrasse freue, wenn man den viel gerühmten Bonner Sommer mit einem Curry feiern und dabei in Erinnerungen an die Zeit am Juridicum schwelgen kann. Genau!
Nisha

 

 

Nisha
Lennéstraße 20
53113 Bonn

http://www.nishas-wokmobil.de
Email: info@nishas-wokmobil.de
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 17 bis 22 Uhr

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.