Sushikurs im Kugelfisch

Auf den Kugelfisch als Restaurant und Lieferservice hatte ich mich ja bereits ein- und ausgelassen und hier kommt der Sushikurs. Monatelang vorausgebucht, letzten Sonntag endlich dagewesen. Der Kurs fand im Kugelfisch Flagshiprestaurant in Poppelsdorf statt, der mir ja vor allem wegen des schwarzen Kiesfußbodens besonders gut gefällt. Und inzwischen weiß ich auch, wo man an so einen Fußboden kommt. Beim Fliesenonkel.

Die große RolleHeute also Sushi. In den letzten zwei Jahren haben wir uns ja bereits in paarmal zuhause an Sushi getraut – wie ihr wisst, mit verheerenden Ergebnissen. Witzigerweise hat uns diese Übung geholfen, jetzt viel bessere Ergebnisse zu produzieren und das – weil ich total hinterher war mit Rollen, Schneiden, Knipsen – trotz des Zeitdrucks. Also, wenn man jetzt vor allem Maki Sushi meint. Muss wohl an der fachmännischen Leitung von Lehrer Frank gelegen haben.

Sushimatte mit NoriZur Vorbereitung gab’s neben einem perfekt vorbereiteten Arbeitsplatz einen Glas grünen Tee und eine Einführung in Warenkunde und Fischgeschichte. Ich habe vor allem davon mitgenommen, dass in jeden ordentlichen Haushalt ein billiger elektrischer Reiskocher (kein Motorrad!), eine ordentliche Matte und eine Tamagopfanne gehört. Ich wusste doch, dass uns außer dem Pizzadom noch eine ganze Menge Zeug im Küchenschrank fehlt!

Möhre, Gurke und RettichDie Warenkunde und die Anekdoten waren sehr amüsant und wir nippten alle genüßlich und relaxed an unseren Weinchen, Bierchen, Wässerchen.  Aber die Freude hielt nicht lange vor, denn ganz ohne Warnung ging’s los mit der Fronarbeit: gekochte Möhren in 0,5-mal-0,5-mal-18 Zentimeter-lange Streifen zu schneiden. Oder Gurken oder Rettich. Das haben wir mit Anstand hinter uns gebracht, aber ich bin nicht sicher, ob die Streifen tatsächlich die Anforderungen erfüllt haben. Wie später noch häufiger, waren wir ganz froh, dass wir unsere Sushis nachher nicht den Kunden vom Kugelfisch servieren mussten.

GurkensushiZuerst lernten wir ‚ganz einfache‘ Maki-Sushis zu machen. Das geht ganz einfach: Algenblatt zuschneiden, den vorher im Reiskocher zubereiteteten Reis zwei-Körner-dick auf das Noriblatt streichen, dabei den oberen Rand freilassen. Gurken oder Möhren oder so ins untere Drittel legen, anlegen, rollen, ankleben. Dann mit einem beherzten Schnitt halbieren, vierteln, achteln. Easy.  Beim ersten Probieren durfte ich gleich Paradebeispiel sein und zwar für etwas, was total beleidigend ist: die Stäbchen nach dem Auseinanderbrechen aneinander reiben. Bevor ich zur Ordnung gerufen wurde, konnte ich das wenigstens noch schnell meinen Nachbarn beibringen.

Reis-YetiSehr wichtig ist dabei, dass man die Hände immer in Unschuld waschen muss, bevor man in den Reis eintaucht, sonst sieht gleich aus wie der Yeti. Das hatte dann selbst ich irgendwann kapiert (da war meine Kamera aber auch schon verreist) und am Ende des Kurses hatte ich eine Schüssel Reis mit einem Zentimeter Wasser neben mir stehen. Ich hoffe, die wurde wenigstens noch zu Briefmarkenkleber oder Kunstschnee verarbeitet. Aber auch ansonsten hatten wir viel Spaß, zum Beipiel beim Anrühren der Wasabipaste aus Pulver, was ungefähr denselben Effekt hat wie wenn man beim Trinken von Ginger Ale durch die Nase einatmet oder eine Dose Wick Vaporub auf Ex inhaliert.

Sushimesser müssen scharf sein.Ach ja, was für mich auch immer noch eine Kalligraphie mit sieben Siegeln ist, ist das Schneiden von Sushirollen. Das habe ich bei den Makirollen nicht hinbekommen, bei den Inside-Outs schon gar nicht (großes Gemetzel) und als ich ganz nett gefragt habe, ob mein Messer vielleicht nicht scharf genug ist, hat der Chef damit die Rolle und das halbe Brettchen mit einem sauberen Schnitt zerteilt. Verdammt, wie macht der das?

Maki SushiDann gab’s Inside-Out-, California-, Riesen (Futo Maki)- und Frikadellschen (Nigiri)-Sushi, alles selbst von uns gerollt. Für Inside-Out braucht man Unmengen von Frischhaltefolie und Sesam (ich finde ja den schwarz-braun-gemischten am schönsten) oder zerstoßene Wasabinüsse (schöne Farbe, aber sah unspektakulär aus – vielleicht doch gleich lieber Wasabipulver?). Auf jeden Fall sind sie nicht unbedingt schwerer zu rollen, wenn man beigebracht bekommen hat, wie das geht, aber schneiden ist… also irgendwie… echt doof.

Shiitake und KampyoIch hatte ja mal wieder Sonderstatus beantragt und drehte die ganze Zeit vegetarisches Sushi. Schön ist, dass es ja doch ganz schön viel Vegetarisches zu rollen gab: Neben Gurke (die habe ich schön gemacht und dann anderen Hungrigen zur Verfügung gestellt) auch Rettich (eingelegt), Möhren (gekocht!), Avocado (mmmh!), Spinat mit Sesam (mjam!), Rucola und natürlich Tamago. Doof ist, dass ich natürlich damit wieder fette Minuspunkte beim Sushimeister machte, der meinte, eigentlich sei vegetarisches ja keine originales Sushi. Pöh. Demnächst mach ich Erdbeer-Schoko-Sushi und dann komm ich ganz groß raus bei der Cupcake-Sekte.

Lachs-Rukola-MakiAls der Kurs seinem Ende zuging, hatten die anderen Kinder schon ganz viele Fische zu Maki und Nigiri verarbeitet. Und die meisten auch gegessen. Ich dagegen hing total hinterher und war noch am Rollen, als die anderen schon die Schürzen abbanden und gegenseitig ihre Meisterwerke bewunderten.

Diese nahmen die meisten von uns denn dann auch noch zum Abendessen mit nach Hause, inklusive der Reiskörner in den Haaren und dem Hicks vom Bierchen.

BentoboxAber der Clou: Vegetarisches Sushi hält sich länger als Fischgedöns. Harhar. Es sei denn, man macht eine Vollbremsung auf dem Heimweg und plötzlich sind die Inside-Outs alle upside down. Tja, wieder was gelernt. Sushi immer nur schwebend transportieren. Nächstes Mal hänge ich die Tasche vom Kugelfisch am Rückspiegel auf.

Und wie gehts weiter? Ich habe mir vorgenommen, neben meiner Lieblingsfüllung Avocado vielleicht auch mal etwas anderes zu probieren und auf jeden Fall mal an Tamago zu üben. Vielleicht sogar ohne die nötige Fachpfanne. Auf jeden Fall werden wir zertifizierten (jaha!) Sushi-Rollatoren demnächst die Winkekatze und den Reiskocher anwerfen und versuchen, den Spirit vom Kugelfisch wieder auferstehen zu lassen.

Der perfekt versaute Tisch

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