Apfelsaft

Der Beitrag für diesen Dank gehört voll und ganz Horst Evers. Oder doch? Vielleicht bin ich auch nostalgisch geworden durch sentimentale vierzigste Geburtstage oder Freundschaften, die sich nach Jahrzehnten wortlos aufzulösen scheinen. Oder es liegt am Herbst, der sich mit schäbigem Wetter (Dienstag aber nochmal mit 23 Grad!) und großen Lieferungen an Walnüssen und Maronen und frisch eingelagertem Kuscheltee meldet.

SaftzentrifugeEs kann aber auch sein, dass ich einfach schon total besoffen bin von dem frischen Apfelsaft, den ich mit zunehmender Begeisterung herstelle. Und mit gefühlten 200 Kilo (gramm!) Äpfeln, die alle gestern abend geliefert wurden. Inklusive Saftpresse. Diese Saftpresse ist nämlich der eigentliche Aufhänger meiner Nostalgie, der wurde nämlich eigens für mich angeschafft, damit das Kind gesund und stark wird. Hat ja geklappt. Und die Saftzentrifuge, hat es, wie auch mein Toaster, aus den frühen Siebzigern geschafft bis in mein heutiges Leben geschafft. Hat halt Vorteile, keinen biologisch abbaubaren Kunststoff benutzen zu müssen wie die Hersteller jetzt (bestimmt unter Protest!), damit man sich alle drei Jahre was neues zulegen kann (oder muss, weil die Plastikteile alle gebrochen sind). Danke an ‚Made in West Dschermany‘, wie auf der Unterseite steht. Das ist ja sowas von nostalgisch…

Früher war es vor allem Möhrensaft, der da für mich aus dem Hahn floss, in den Achtzigern wurde das Ding nochmal dringend benötigt, um bei einem Schulfest das Thema ‚Bio‘ mit frischem Apfelsaft umzusetzen. Ja, da gibt’s nix zu lachen, das Thema unseres Abistreichs war ‚Umweltschutz‘ oder sowas und wir haben uns alle als Müllmänner verkleidet. Vielleicht wollten wir aber auch nur die Lehrer einmal legal in Mülltonnen stecken und sie den Schulhof fegen sehen… Die Achtziger waren sowas von übel.

ÄpfelAuf jeden Fall habe ich – wie so häufig – in den letzten Wochen das Maul weil aufgerissen und alle gefragt, ob sie keine Äpfel haben, die ich durch die Presse jagen könnte. Ja, können ruhich n‘ paar Kilo sein. Jaa, kein Problem. Kriegen wir schon hin. Und – wie das auch immer so ist – kam erst gar nix und gestern haben alle gleichzeitig zugeschlagen. Alle schön von der eigenen Obstwiese oder vom Bauern und alles schön in professionellen Säcken abgeliefert. Das wiederum hat mich an die Zeit erinnert, als wir im frühen Herbst immer zu meiner Oma auf’s Land gefahren sind, um Kartoffeln und Äpfel beim Bauern zu kaufen und dann über den Winter einzulagern. Voll bescheuert, sich drei Zentner Kartoffeln in den Keller zu legen, um dann immer ältere Kartoffeln den ganzen Winter zu essen, aber immerhin waren die dann nicht aus Peru, sondern aus Alfter. Heute gibt’s dafür Hofläden, in denen der moderne Städter sich das ganze Zeug in kleinen, aber dafür mit ganz viel Flair wieder besorgen kann…

AJus de Pommelso, Apfelsaft machen ist ganz einfach: Erst baut man die Waschstraße auf, in der die Äpfel alle professionell gewaschen und dann getrocknet werden. Dann werden sie weiter transportiert in die Vierteil-Abteilung. Bei kleinen Äpfeln reicht auch eine Halbier-Abteilung. Auch wenn manche meiner Freunde aus der Stadt der Meinung sind, es wäre toll, wenn man Kerngehäuse und Stiel entfernt, halte ich das nicht für nötig. Landet sowieso alles nachher im Sieb und wird dann mit entsorgt. Man kann natürlich nach dem Schneideprozess eine kleine Qualitätskontrolle einführen und gucken, ob sich Würmer oder sonstige Tierchen in den Äpfeln rumtreiben, aber wir haben ja schließlich keine Pflaumenmusfabrik hier. Dann wird der Motor der Zentrifuge angestellt, dabei ist darauf zu achten, dass die Zentrifuge erst dann befüllt wird, wenn sie auf ordentlicher Geschwindigkeit rund vor sich hin läuft. Und nicht vergessen, das Saftfass oder den -bottich darunter zu stellen, bevor der erste Apfel verarbeitet wird. Sonst doof.

Die Äpfel werden dann von der Obstsaftverarbeitungsfachkraft mit einer Apfelschippe in die Zentrifuge geschaufelt, wobei darauf zu achten ist, dass dann sofort der Deckel auf den Einfüllstutzen geschoben wird, damit keine renitenten Apfelstücke wieder aufs Brettchen zurückhüpfen und tun, als würden sie da auf den Bus warten. Damit geht’s so lange weiter, bis man genug Saft für den Vormittag hat. Oder so. Denn den Saft trinkt man am allerbesten frisch.

Wichtig ist auch, den Schaum, der sich bildet, abzuschöpfen, und alles, was man nicht sofort trinkt, luftdicht zu verschließen. Sobald er Saft nämlich aus der Presse kommt, wird er braun und seine verschiedenen Bestandteile setzen sich dann auch bald in  ab. Wer aus der Stadt kommt, kann den Saft noch filtern oder durch ein feines Sieb laufen lassen. Oder auch Zitronensaft hinzufügen, weil das so lecker ist. Und der Saft nicht so schnell so braun wird. Probiert’s halt aus – ich hab meinen Saft einfach getrunken…

Ach ja, und es ist schlau, die Presse gleich sauber zu machen und für die nächste Runde im Anschlag zu halten.

Wann der Saft vergärt, kann ich nicht sagen… Melde mich in ein paar Tagen wieder, falls ich’s herausfinde. Prost.

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