Frühstückerei

Nachdem das Konzept von ‚kurzlebig‘ nun ja doch länger dauert, als ich angenommen hatte (Leser des Generalanzeigers sind wahrscheinlich up-to-dater in dieser Angelegenheit) gibt es in der Häuserzeile an der Rathausgasse, in der ja eigentlich schon längst ein ordentlicher Konsumtempel entstanden hätte sein sollen, immer noch das kurzlebige Konzept der Frühstückerei. Ok, das Blau ist ja auch immer noch an Ort und Stelle, allerdings ist die Ichiban Noodlebar schon seit hundert Jahren ausgezogen… Und die Frühstückerei ein. Abends gibts übrigens das Konzept ‚Abendbrot‘ (fast schon so lässig wie in Berlin Friedrichshain, die Bonner), aber ich bin ja kein Freund von Abendbrot. Also waren wir heute zum Frühstück da.

Frühstückerei

Atmosphäre: Kurzlebigkeit bestimmt das Konzept, es ist ein bißchen nett angestrichen und der Rest ist so aufgebaut, dass man alles auch wieder innerhalb von ein paar Tagen ausräumen kann: Die Espressomaschine steht auf einem Buffet aus dem Antikmarkt, die Lampen, Tische und Stühle sind, glaube ich, noch der Noodlebar und der Rest stammt von einem ähnlichen Unternehmen mit dem Namen ‚Retro‘ oder so, das offensichtlich auf Fundstücken vom Bonner Flohmarkt und niedlichen Stoffen Kissen, Lampen, Deckchen und Zeug macht, das die Frühstückerei (oder das Frühstückerei?) wiederum so wohnlich macht, dass es wirklich nett ist.

Was gibts zu essen? Das Übliche, das man so in einem netten Frühstückslokal erwarten täte: French ToastVerschiedenerlei Frühstücke regional und nach Größe sortiert, mit Rühreiern, Joghurten, Pfannkuchen, Kaffees, Säften und so. Der Kaffee kommt von der Troisdorfer Rösterei  Schmitz-Mertens (und der Tee von Gschwendner). Finde ich nett und scheint auch gut geschmeckt zu haben – auch wenn der Latte Macchiate mit einem Strohhalm statt mit Löffel kam, aber ich finde – abgesehen davon, dass ich den ‚Latte‘ auf der Arbeit immer genauso nehme – dass das genau in’s Konzept passt – nicht zuviel Chichi und schnell wieder abzugebauen. Quasi das Cloudkonzept der Gastronomie (oder der Pop-Up-Shop des Einzelhandels – bemerkt ihr den Trend?)

Es gibt auch noch irgendwelche Kaffee-Flatrates und XS- bis XL-Pfannkuchenangeboten nachmittags (toll…), aber wir haben was Klassisches mit Brot und Rührei beziehungsweise mit French Toast und Fruchtjokurt genommen. Ratet mal, wer was hatte. Also, der French Toast war, wie er sein sollte, nämlich mit Ahornsirup und ohne weiteren Nährwert (wie mein Frühstücksgefährte immer gerne anmerkt, wenn er mein Essen probiert: ‚Buägs, ist das süss.‘ Ja, danke auch. Dich lass ich nochmal probieren…) Auf jeden Fall schön dekoriert (was mich mal wieder an den Dekorationskurs erinnert, den ich machen wollte, aber ich verlass‘ mich da wohl besser auf Bücher und Youtube statt auf einen Kochkurs unter ‚Gleichgesinnten‘ – vor denen hab ich immer Angst).

08/15Auf Sonderwünsche ist die Bedienung (Laura oder Sandra? Wir vermuten, dass die Besitzerinnen heute selbst bedient haben) auch eingegangen, es war tatsächlich extra Chili im Rührei. Doll. Allerdings war das Brot ein ganz kleines bißchen weniger toll, als man erwartet hatte im Brotland Deutschland: Der Toast war soooo langweilig und viel mehr als Toast und Brötchen gab’s nicht. Ok, es war auch das ’08/15′ Frühstück – vielleicht hätte man gleich ein anderes wählen sollen, aber mit dem Belag (wie man links sieht) gab’s hierfür eigentlich keinen Grund. Ach ja, das Verhältnis  Belag zu Brot war ungefähr 7 zu 4 – man hätte also ungefähr sieben Brote oder Brötchenhälften mit dem Belag belegen könnten, aber es waren nur vier da (nicht, dass das nicht gereicht hätte für ein Sonntagsfrühstück…) Das ist übrigens total häufig so: Viel zu viel Belag und entweder macht man’s wie mein Vater (‚Ich ess‘ die Wurst auch ohne Brot!‘ (meine Fassung: ‚Ich ess mein Nutella auch ohne Croissant.‘) oder man bestellt noch Brötchen oder so nach. Und jetzt frag ich Sie: Ist das ’ne Masche in allen Cafés, damit die Gäste Brot nachbestellen (Verschwörung!) oder sind die Köche alle so großzügig? Ich tippe ja auf die Köche…

Auch wenn man an mancher Stelle die Bedienung etwas abgelenkt war (das könnte man von den Gästen genauso behaupten) und bestimmt noch keine zwanzig Jahre Kellnererfahrung aufweisen konnte, war das ganze sehr nett und günstig. Und Butter hätten wir sowieso nicht gebraucht.

Also? Einfach mal hin und ausprobieren. Wer draußen sitzen will, geht besser ins Blau auf der Rückseite des Gebäudekomplexes, aber für drinnen und bestimmt auch für’s Abendbrot ist die (das?) Frühstückerei mit den selbstgemachten Kissen genau richtig. Reservieren kann man übrigens per email einen Tag vorher.

Adresse: Rathausallee 2 – 6, Bonn Innenstadt,
emailinfo@kurzlebig.net
Homepage: http://www.kurzlebig.net/fruehstueckerei.html
(Kaffee: http://www.schmitz-mertens.de)

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag  9:00 bis 16:00 (ab dann gibt’s Ahmbrot)
Sams- und Sonntag 10:00 bis 16:00 Uhr

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